Wie schön es sei, sich mit mir zu unterhalten, lässt C mich immer wieder wissen. Ich nicke dazu und versuche, nicht zu geschmeichelt auszusehen. Wir sitzen am Ufer des Kanals und beobachten das vorbeitreibende Ensemble an Großstadt-Kleinmüll. Dem Wetterumschwung sei Dank ist es während dieses Sonnenuntergangs bereits deutlich kühler, als wir eine Woche zuvor noch für möglich gehalten hätten. C trägt eine langärmelige Weste, ich eine sachte Gänsehaut auf meinen freiliegenden Unterarmen.
"Du bist wie ein neuer Mensch", sagt sie zu mir und schwenkt ihren Blick, der bislang auf das Wasser gerichtet war, zu mir und zeigt mir ein Lächeln, das zum Ausdruck bringen soll, dass ich diese Äußerung als Kompliment verstehen darf. Ich bin nicht sicher, ob ich das möchte. Für mich klingt es fast, als wäre der alte Mensch, der ich früher war, keiner gewesen, mit dem eine Unterhaltung schön gewesen war.
C lacht und als ich sie frage, was so komisch sei, antwortet sie: mein Stirnrunzeln. Ich sähe immer noch aus wie einer, der sich über alles zuviel Gedanken macht. Sie scheint das lustig zu finden; nach wenigen Momenten muss ich auch grinsen, denn irgendwie stimmt es ja.
Wir verbringen den restlichen Abend damit, schlechte Cocktails zu trinken und uns an die Schulzeit zu erinnern. Ein Thema, von dem ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll, ist, als C auf ihre Zukunftspläne zu sprechen kommt. Sie erzählt von der Karriere, an der sie arbeitet, und den Familienplänen, die sie hat. Mein Gesichtsausdruck, so meine ich, ist neutral, aber C merkt mir die Schweigsamkeit natürlich an. Irgendwann fragt sie mich, ob ich keine Pläne dieser Art habe und was ich mir wünsche, und ich seufze innerlich. Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Worte jetzt äußern muss, aber es wird irgendwie nicht einfacher, sondern nur ermüdender mit jeder Wiederholung. Ich schaue ihr nicht in die Augen, sondern rühre konzentriert in meinem Cuba Libre, als ich es ihr sage.
"Ich kann leider keine Kinder bekommen."
Mit einem Seufzer hinterher gewinne ich etwas Zeit und hebe dann den Blick, um in Cs erschrockenes Gesicht zu schauen. Ich blinzle, weil sie nicht erschrocken schaut, sondern nur aufmerksam. Ich bin nicht sicher, ob sie verstanden hat, also rede ich weiter. Gehe ins Detail, erzähle von den drei verschiedenen Untersuchungen, die gemacht wurden, und was die Ergebnisse für eine ernüchternde Prognose bereithielten. C lässt mich ungestört reden, bis ich geendet habe. Erst dann antwortet sie leise und sagt, dass es ihr Leid tue. Sie will wissen, wie ich mich damit fühle, und ich schnaube amüsiert.
"Es ist okay. Und selbst wenn nicht, was soll ich schon machen."
Und dann macht C was Wunderbares: sie wechselt das Thema, und bald grinsen und lachen wir wieder. Ich fühle mich gleichzeitig verstanden und aber auch so, als würde ich nicht zu lange in der ernsten Situation verweilen müssen. Sie macht es mir leicht, mich ablenken zu lassen, und gibt mir genug Vorwand, über Blödsinn zu sprechen statt über wichtige Dinge.
Als wir uns mit einer Umarmung verabschieden am Ende einer langen Cocktailrechnung, sagt sie mir noch etwas, was einfach schön war: dass ich trotz aller Veränderungen noch ganz der Alte sei. Diesmal weiß ich, dass es ein Kompliment ist, und muss lächeln, als ich am Weg nach Hause immer wieder an diese Worte denke.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen